Die Rusty Buddies aus der Sprachgrenzregion Berner Seeland bewegen sich auch musikalisch gern im Grenzbereich. Dafür gibt es einige handfeste Gründe.
Wer sich etwas näher mit ihnen befasst, wird zunächst einmal öfter über den Begriff „Crossover“ stolpern. Das kommt nicht von ungefähr, schreibt sich die fünfköpfige Formation das doch selbst auf die Fahne und auf das neuste Promotionsfoto. Aber was genau steckt hinter dieser Botschaft, auf die sie regelmässig aufmerksam machen?
Ein Erklärungsversuch
Auf gut Bärndeutsch könnte man diesen besonders in der Werbung als „Claim“ verbreiteten englischen Begriff mit „gärn emau übere Hag frässe“ übersetzen. Man hält sich also offenbar nicht ungern im Grenzbereich auf und scheut sich auch nicht, jenseits des eigenen Habitats zu grasen, wenn sich die Gelegenheit bietet und man es hinbekommt. Gras auf der anderen Seite des Hags ist ja bekanntlich immer grüner.
Bloss, woher kommt das?
Versucht man das etwas zu ergründen, landet man wie so oft bei der Analyse von Verhaltensauffälligkeiten in der Vergangenheit des Täters oder der Täter, wissen sogar True-Crime-Anfänger. In diesem Fall hängt ihr heutiges Tun damit zusammen, dass die Band aus einer Gruppe von Männern hervorging, die vor ihrem Übertritt ins Country-Fach als Blues-Formation zusammenwirkten. Wer jetzt vielleicht denkt: „Wie konnten sie nur?“, hat nie gehört, was der womöglich bedeutendste Country-Troubadour – Merle Haggard – schon 1973 bei einem Liveauftritt in New Orleans rhetorisch fragend verkündete: „What’s better than the blues – was ist besser als Blues?“ Für immer festgehalten auf seinem Livealbum „I Love Dixie Blues“ (1973). Hätten die drei Berner, darunter ein Holländer, jemals Absolution für ihre künftigen Grenzüberschreitungen gesucht – da wäre sie gewesen, geliefert von einem der Grössten, die das Country-Genre je kannte und den sie auch im Repertoire haben.
Der Geistesblitz
Weil die Geschichte der Rusty Buddies aber eine zumeist vergnügliche Reise einer Gruppe Musiker aus dem Seeland und kein Musikweltendrama ist, lief damals um die Jahreswende 2014/15 alles etwas weniger aufgeregt ab. Ganz auf der Höhe dieser modernen Zeit genügten eine spontane Idee und eine WhatsApp-Gruppe für dieses Start-up.
Der Ursprungsgedanke, den „Dutchman“ Peter De Jonge damals hatte, war folglich auch keine Eingebung, Gott behüte, sondern einfach ein Einfall: „So ein paar Country-Licks wären doch noch gut …“, gelüstete es ihn damals plötzlich. Und weil er ein Mann der Tat war, der offensichtlich nicht vor einer Grenzüberschreitung zurückschreckte – im Gegenteil eigentlich –, machte er daraufhin gleich Nägel mit Köpfen und fixierte den Gedanken, indem er besagte WhatsApp-Gruppe gründete, um zu sehen, wohin das führen könnte.
Zu jener Gruppe gehörte auch die singende Coiffeursalon-Inhaberin Karin Hirschi aus Täuffelen am Bielersee, die davor mit einer Freundin als Country-Frauenduo Lakeland Sisters tingelte, nachdem sie nach Gesangsunterricht in einem Gospel-Chor erste Gesangs- und später als Backgroundsängerin der Rock- und Blues-Big-Band Never9Band erste Bühnenerfahrung gesammelt hatte. Musikbegeistert, wie sie ist, fand sie das eine „coole Idee – und die anderen Gruppenmitglieder auch“, woraufhin man sich gemeinsam daranmachte, ein neues musikalisches Abenteuer zu starten. Ein bisschen „Jumanji“, einfach ohne drei Leben, Nashörner und etwas regionaler. Die Rusty Buddies, die heuer ihr zehnjähriges Jubiläum feiern werden, waren geboren. Die Gründungsväter von damals hiessen: Peter „Dutchman/Dutchie“ De Jonge (Gesang, Gitarre), Heiri Kobi (Gesang, Schlagzeug) und Bassist Daniel Leiser plus der überaus attraktive Stein in der Krone und Blickfang der Truppe – Karin Hirschi als Rhythmusgitarristin und Sängerin.
In dieser Besetzung nahm man das Unterfangen in Angriff und machte dabei halt, was man als Band so tut: Man übt einen neuen Sound und ein neues Repertoire ein und versucht dann, wenn man so weit ist, Auftritte zu ergattern. Der Start verlief recht gut, wenngleich zunächst alles andere als „crossover“. Peter De Jonge bestand „knallhart“ darauf, die ganze Sache sehr traditionell anzugehen – kein Pop, kein Blues, wie einige der anderen das zu Beginn vielleicht noch im Kopf gehabt hatten. „Keiner von uns dachte damals, dass es zehn Jahre und sogar länger fortdauern würde“, meinte die gute Seele und „Tätsch-meisterin“ der Band kürzlich amüsiert und fast schon selbst ein wenig überrascht.
Erste Nachweise
Es ist nicht alles dokumentiert aus der Anfangszeit, denn die rostigen Kumpel waren im Seeland nicht die einzige musikalische Attraktion. Eingeweihte und Eingefleischte wissen, dass dort, wo unser Land mit Biel plötzlich zweisprachig wird, Pegasus herumflattern, dr Henne und dr George in ihren Liedern das Leben, die Musik und die Mundart feiern und auch Buddy Dee mit seinen Ghostriders schon seit Jahrzehnten für gute Unterhaltung aus der flotten Country-Ecke sorgt. Da gilt es, etwas Nachsicht walten zu lassen, dass den neu formierten Rusty Buddies noch nicht gleich alle Aufmerksamkeit im Land der drei Seen zuteil wurde. Dennoch, ganz unbemerkt blieben sie nicht, wie diese Aufnahme von einem Auftritt am 7. Oktober 2017 belegt.
Irma Emmenegger berichtete: „Im Bärensaal in Lengnau trat erstmals die Newcomer-Band Rusty Buddies (Rostige Kumpels) auf. Alles andere als rostig war ihr Country-Repertoire. Mit viel Spielfreude, Virtuosität und Liebe zum groovigen, guten Sound mischten sie Traditionelles mit rockigen neuen Songs. Merle Haggard, Gretchen Wilson, Shania Twain oder Songs der legendären Eagles sorgten beim Publikum für ausgelassene Tanzstimmung. Von den sympathischen Seeländern werden wir hoffentlich noch viel zu hören bekommen.“ Das Foto verdanken wir Rita Whitaker.
Der kurze Bericht von damals fasst das, was die Rusty Buddies im Kern ausmacht, kurz und bündig zusammen. Eigentlich könnte man hier mit dieser Titelgeschichte aufhören – das Wesentliche über sie ist gesagt und gilt bis heute. Aber auf ein paar Aspekte etwas vertiefter einzugehen, lohnt sich dennoch. Nicht zuletzt, um die eingangs geäusserte Behauptung, dass da mehr ist, als es auf den ersten Blick scheint, zu untermauern.
Routinierte Groover
Es ist nicht so sehr, was sie spielen, sondern wie sie es tun. „Groovig“ soll ihr Sound sein, hiess es da aus Lengnau/BE. Der Groove, dieses oft nur schwer und unzulänglich erklär- und fassbare Musikerlebnis, das guten von mittelprächtigem Klang abhebt, ist im Grunde, was Speck mit Bohnen oder Parmesan mit Pasta macht: Er verleiht Herzhaftigkeit. Die Japaner nennen dieses geheimnisvolle Geschmackserlebnis „Umami“. Anfang Mai 2019, als sie beim „Swiss Country Award“-Wettbewerb im Bonanza-Saloon, Bissegg/TG teilnahmen und mit traditionellem Sound den dritten Platz belegten, wurde dieses „Groovige“ auch von einem Jurymitglied bemerkt, das meinte: „Ich weiss nicht genau, was es ist, aber bei Euch ist irgendetwas anders.“ Auf die Erwähnung hin, dass sie ursprünglich aus dem Blues kämen, folgt ein Heureka-Moment beim NadaCowboy aus der Jury: „Genau das ist es!“
Ein Sound mit vielen Vätern
Mit dem Eintritt des Pianisten/Keyboarder Claude Barbotte wurde ab 2017 nicht nur die zählbare Bandbreite um einen Kopf erweitert, sondern es ergaben sich auch zusätzliche Soundmöglichkeiten. Mit ihm entfaltete sich der heutige Crossover-Ansatz, der eigentlich bereits in der DNA der Band festgelegt war, noch verstärkt, bevor es mit seinem Nachfolger Roland Glauser ab Ende 2018 noch einen Schritt weiterging. Der Arrangeur mit langjähriger Erfahrung in der Eagles-Coverband Silverhead ist verantwortlich für die heutigen bis zu vierstimmigen Gesangsharmonien, welche die Band mittlerweile auszeichnen. Mit Leadgitarrist Mägi Koch, der zum engen musikalischen Umfeld des legendären Hanery Amman gehörte, übernahm 2023 ein mit allen Wassern gewaschener Musiker die Leadgitarre, die seit „Dutchie“ De Jonges Rückzug in den Ruhestand zwischenzeitlich auch in den Händen von Michael Schweizer und Mike Dixon lag.
Ihr Repertoire ist im Gegensatz zu vielen anderen hiesigen Country-(Cover-)Bands nicht einer Stilrichtung oder Periode des Genres geschuldet, sondern ihrer ursprünglichen Prägung sowie persönlichen Vorlieben. Merle Haggard, die Familie Cash, Dwight Yoakam, Brad Paisley und Billy Ray Cyrus sind dort mit legendären Sachen prominent vertreten. Dann aber auch Rock-Grössen wie Jerry Lee Lewis, Bob Seger, CCR oder die australische Little River Band. Die alten Blues-Wurzeln hört man dann bei den Sachen von John Hiatt, J. J. Cale, Eric Clapton oder Fleetwood Mac besonders heraus. Heute kommen bei ihnen im Verlauf eines Konzertabends Country-, Rock- oder Blues-Freunde ebenso auf ihre Kosten wie die Liebhaber des einen oder andern Evergreens. Was soll man sagen: Fressen sie nicht gerade über den Zaun, geht es bei ihnen mehrstimmig harmonisch kreuz und quer durch den Gemüsegarten. Berührungsängste kennen die im Umgang mit Korrosion vertrauten Buddies kaum.
Die heutige Formation (Bild am Ende)
Die aktuellen fünf Rusty Buddies (v.l.) – Daniel Leiser (Bass), Mägi Koch (Leadgitarre, Gesang), Karin Hirschi (Gesang, Rhythmusgitarre), Heiri Kobi (Schlagzeug, Gesang), Roland Glauser (Piano/Keyboards, Gesang) – sind eine achtsame, aber keine woke Truppe.
Wer sie kennt, weiss, dass sie stets darauf bedacht sind, ihren gut gemischten Sound in angenehm verträglicher Lautstärke erklingen zu lassen bei ihren Auftritten. Die Verantwortung dafür liegt in grösseren Lokalitäten in den Händen von Hans-Jürg Kleine, dem Ton- und Technikverantwortlichen. Bei kleineren Anlässen sorgen die erfahrenen Musiker mit ihrem neuerdings wieder analogen Mischer selbst für den richtigen Mix im Saal. Linedancer im Publikum unterstützen sie bei ihrem Vergnügen vorausschauend mit einem Hilfsblatt, das vorgängig von ihrer Website heruntergeladen werden kann. Worüber einige recht froh sind, gerät man doch gern mal etwas „is Züüg“ bei den strikt festgelegten Choreografien. Die praktische Anwendung moderner Hilfsmittel macht sie damit im weitesten Sinne sogar auch fast noch zu einer Techno-Band. Was die Gage angeht, soll die irgendwo zwischen Taylor Swift und dem Gros der hiesigen Country-Protagonisten liegen, allerdings etwas näher am finanzierbareren Ende der Skala.
Fest eingeplant
Wenn eine Dekade Bandgeschichte „mit Höhen und Tiefen“ kein Grund für eine Feier ist, was dann? Zur Erinnerung: Den Beatles reichte dieser Zeitraum, um zur wahrscheinlich massgebendsten Band der Pop-Musikgeschichte zu werden, aber dann war Schluss. Für die Eagles, deren Musik die Rusty Buddies so einiges abgewinnen können, war es auch lang genug, um in den Rock-Olymp aufzusteigen, nur um dann neun Jahre nach Gründung (1971) abzustürzen, auseinanderzufallen und sich dann 1994 wiederzuvereinigen. Um ihr Zehnjähriges angemessen zu begehen, steigt am Samstag, den 8. November 2025, in der PflugFabrik, Ersigen/BE ein Fest zur Feier des Erreichten sowie als Ausgangspunkt für den nächsten Abschnitt, für den bereits wieder die ersten Buchungen 2026 eingetragen sind in ihrem Spielplan. Dabei betreten sie Neuland, indem sie erstmals mit einem von Roland Glauser selbst geschriebenen Song aufwarten. Für Spannung bei der Party wäre somit auch gesorgt.
Rusty Buddies: Exekutiv-Zusammenfassung
Rusty Buddies – Grenzgänger mit Groove
An der Sprachgrenze im Berner Seeland daheim, scheuen die Rusty Buddies keine musikalischen Grenzübertritte.
2014/15 zündete Peter „Dutchman“ De Jonge die Startidee – stilecht via WhatsApp: „So ein paar Country-Licks wären doch noch gut…“ Aus der vorherigen Blues-Formation wurde eine Country-Band, deren Crossover-Philosophie so viel bedeutet wie «gärn emau übere Hag frässe»: sich auch mal ennet des Zauns bedienen – musikalisch wie geografisch. Heute zählen sie zu den beliebtesten Country-Live-Acts des Landes.
Sound
Ihr Sound mischt Country-Klassiker und moderne Titel mit Rock-, Blues- und Soul-Einflüssen. Mehrstimmige Gesangssätze, ein solides Groove-Fundament und ein spürbarer Spaßfaktor zeichnen sie aus.
Repertoire
Ob mit Johnny Cash, Merle Haggard, Alan Jackson, Keith Urban, Gretchen Wilson, Eagles-Klassikern, einem Evergreen von Fleetwood Mac oder der australischen Little River Band – da wird getanzt, gelacht und gern auch mal stilsicher und technisch versiert das Genre gewechselt. Immer mit Blick aufs Publikum. Linedancer können sogar vorab ein Hilfsblatt von ihrer Website herunterladen, um sicher durchs Set zu kommen.
Formation
Roland Glauser (Piano/Keyboards, Gesang), Karin Hirschi (Gesang, Rhythmusgitarre), Heiri Kobi (Schlagzeug, Gesang), Mägi Koch (Leadgitarre, Gesang) und Daniel Leiser (Bass).
