Oklahoma ist nur einer von drei Bundesstaaten, die mit einem O anfangen, neben Orida und Onnecticut. Bei Nennung des Namens fällt einem das Musical „Oklahoma“ aus dem Jahre 1943 ein von Rodgers und Hammerstein, das sich mit dem archaischen Konflikt zwischen Ranchern und Farmern beschäftigte – ein klassisches Country-&-Western-Thema, auch wenn es sich bei Rodgers nicht um Will Rogers handelt, dem schlicht das „d“ im Nachnamen fehlt. Der Cowboy und Entertainer stammte aus Oologah, OK, der Flughafen von Oklahoma City ist nach ihm benannt. Eine gewagte Namensgebung für jemanden, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.
Als Nächstes kommen einem Tornados in den Sinn, der Film „Twister“ zum Beispiel, dann Begriffe wie „Red Dirt“ und „Dust Bowl“ und somit die endlosen Kolonnen von Wanderarbeitern, die wegen der unerbittlichen Staubstürme der 30er-Jahre nach Westen ziehen mussten, wie beschrieben im Roman „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck. Den Wanderarbeitern folgten in der Neuzeit zahllose Musiker, die vor allem nach Austin wechselten – übrigens ohne Ablösesumme –, wie zum Beispiel der leider viel zu früh verstorbene Jimmy LaFave oder Stoney LaRue – beide stammen ursprünglich aus Texas, wuchsen aber in Stillwater beziehungsweise Chickasha auf. Hier handelt es sich quasi um Recycling. Dabei lässt hinter jeden Ortsnamen ein treffliches „OK“ stellen.
Der bekannteste Okie stammt natürlich aus Muskogee, obwohl der Sänger des Songs eingefleischter Kalifornier war. Der Okie wurde dadurch weit über die Staatsgrenzen hinaus bekannt, vom Dokie weiss man bis heute immer noch wenig. Immerhin stammt Carrie Underwood aus Muskogee. Die Country-Musik hat dem Staat viel zu verdanken, spendierte er der Welt doch Pioniere (und -innen) wie Jean Shepard (Pauls Valley) oder Hoyt Axton (Duncan) sowie in neuerer Zeit Garth Brooks (Tulsa) oder Vince Gill (Norman).
Die E-Gitarre wurde übrigens von einem Mann auf Betreiben von Merle Travis entwickelt, der in Oklahoma verstorben ist. J. J. Cale, von dem vor Kurzem die erste Platte erschien, die er nach seinem Tod aufgenommen hat, erblickte in OK-City das Licht der Welt. Von ihm geht die Mär, dass er die ersten Dollars, die er vor allem durch Tantiemen verdiente, dazu nutzte, die Zwischenräume seines Trailers zu füllen, um den Wohnwagen besser zu isolieren.
Im Jahre 1999 bereicherte Amtrak den Fahrplan mit der Route Dallas–Oklahoma City, ein „Remake“ nach 20 Jahren Unterbrechung, das unter dem traditionellen Namen Heartland Flyer vermarktet wird, immerhin satte 206 Meilen lang. Dieser Zug jedenfalls ist womöglich das einzig verbindende Element zwischen Texas und Oklahoma, denn natürlich ergehen sich beide Volksstämme – wie unter Nachbarn üblich – in herzlicher Abneigung.
Der „Sooner State“ bietet eine interessante Flora: Die Stadt Beaver ist für ihren Kuhfladenweitwurfwettbewerb über die Staatsgrenzen hinaus bekannt. Oklahoma ist einer von drei Bundesstaaten, in denen Hahnenkämpfe erlaubt sind, Ringkämpfe mit Bären hingegen nicht. Dafür, echt wahr, hat Oklahoma das Internationale Walfangabkommen unterzeichnet, wie übrigens auch die Schweiz.
Andererseits wurden in Oklahoma City noch 1997 sechs Videoläden und ein Privathaushalt von der Polizei gestürmt, die Kopien von Schlöndorffs „Blechtrommel“-Verfilmung beschlagnahmen wollte – wegen Obszönität. Vielleicht nennen Texaner diesen Staat nicht grundlos „Fucklahoma“. Immerhin, OKC gibt zu reden, seit Bürgermeister Cornett der Stadt ein Diätprogramm verordnet hat: In vier Jahren nahmen die Bürger über eine Million Pfund ab. Nicht nur durch die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, sondern durch eine Verbesserung der Infrastruktur: Bau von Bürgersteigen und Radwegen, damit die Menschen sich mehr bewegen. Das Prinzip „Bürgersteig“, auch Trottoir genannt, ist nicht jedem Amerikaner ausreichend bekannt.
Was „Alternative-Country“-Musik anbelangt, hat Oklahoma die Nase vorn. „Red Dirt“ ist längst eine eigene Stilrichtung und steht für Musiker wie Cody Canada, John Moreland oder die Turnpike Troubadours. In der Reihenfolge der Bundesstaaten ihrer Grösse nach belegt Oklahoma lediglich Rang 20. Dafür gibt es erstaunlich viel Liedmaterial, deutlich mehr, als Rhode Island zu bieten hat.
Thomas C. Breuer
Hier kommt die Top Ten der Songs mit Oklahoma im Namen:
Rachel Stacey: Oklahoma
Jimmy LaFave & Night Tribe: Oklahoma Hills
Cody Canada & The Departed: Home Sweet Oklahoma
Vince Gill: Oklahoma Borderline
The Wilders: Oklahoma Run
Bart Willis: Back To Oklahoma
Shawna Russell: Oklahoma Wind
The Band of Heathens: Oklahoma Gypsy Shuffle
John Moreland & The Black Gold Band: Endless Oklahoma Sky
JP Harris & the Tough Choices: South Oklahoma
Dieser Artikel erschien in der Country Style-Ausgabe 122/2020.
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